Zufallsverfahren

Konzept der Eislandschaft übersetzt in das Medium der Fotografie

„Winterzauberwald“ , Acryl/Bleistift auf Papier, 54 x 98,5 cm
„Zaubergarten“, Fotografie, 21 x 29,7 cm
„Frostwald“, Fotografie, 21 x 29,7 cm

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Eine weitere Auseinandersetzung mit dem Thema: „Kristalline Formen und Strukturen“  basierte auf gesteuertem Zufallsverfahren in Kombination mit Fotografie. 

Ziel des Konzepts war es, eine fantasievolle, pflanzenartige, kristalline Winterlandschaft bildnerisch darzustellen und Details heraus zu fotografieren, die neue Landschaften ergeben. Einerseits, um die Verfahrensweisen Malerei und Zeichnung noch einmal in ein anderes Medium zu übersetzen, andererseits als eine Anspielung auf den Mikro- und Makrokosmos der Eiskristalle.

Die aus der Arbeit heraus fotografierten Eislandschaften sind alle ganz unterschiedlich und stehen jeweils wiederum für sich als eigenständige Landschaft (Mikrokosmos), gleichzeitig sind sie jedoch Bestandteile einer einzigen großen Landschaft (Makrokosmos). Mir ging es auch darum, die Vielfältigkeit und Komplexität zum Ausdruck zu bringen, über die ein einzelnes Werk verfügen kann.

Mir war es zunächst wichtig den zauberhaften Charakter von Schneekristallen einzufangen. Dazu bot sich die Nass-in-Nass-Malerei an, wobei ich dem Zufallsverfahren in meiner Arbeitsweise  eine wichtige Rolle beigemessen habe. Um bestimmte Elemente hervor zu heben, lag es nahe, auf die Zeichnung zurückzugreifen. Da der Zufall, wie es so schön heißt, „macht was er will“, gestaltete sich die Umsetzung teilweise schwieriger als erhofft. Auch wenn es sich um einen steuerbaren Zufall handelte, war es nicht vorhersehbar, ob der gewünschte kristalline Verlaufseffekt eintreten würde oder nicht. Dementsprechend setzte das Experimentieren mit dem Zufallsverfahren viele Versuche voraus.

Der Vorteil von Zufallsverfahren ist, dass der Einstieg in die Malerei und Zeichnung vereinfacht wird. Durch die zufällig entstehenden Formen auf dem Bilduntergrund wird eine Richtung vorgeben, an der man sich orientieren kann. Das bedeutet, dass das Problem der Orientierungslosigkeit auf der anfangs noch leeren Bildfläche aufgehoben wird. Außerdem imponierte mir dieses Verfahren aufgrund seiner teilweise unvorhersehbaren Effekte, die wiederum neue Ideen hervorrufen und so den Arbeitsprozess anregen. Die Aspekte Freiheit und Spontanität, die das Zufallsverfahren impliziert und den Werken einen authentischen Ausdruck verleihen, haben mich ebenso dazu bewegt, mir dieses Mittel zu Eigen zu machen.

 Vorgehensweise

Zu Beginn grundierte ich die Bildoberfläche mit einer aus dunkelbraunem Pigment (Kasslerbraun) angemischten Imprimitur und tropfte anschließend flüssige weiße Farbe mit einem Pinsel schwungartig auf die ebenfalls noch flüssige Imprimitur. Das ganze ließ ich dann trocknen und überließ die Reaktion der Farben dem Zufall. Ich entschied während des Auftropfens der weißen Farbe, an welchen Stellen helle Elemente stehen sollen und ob dort eher viel oder wenig Weiß erscheinen soll. Hier ist schon erkennbar, dass der Begriff „Zufall“ bei diesem Zufallsverfahren einen gelenkten Zufall beschreibt. Bezeichnet wird das Verfahren als Drip Painting. Je nach Verhältnis von Wasser und Farbe fällt die Reaktion anders aus. Mein Ziel war es, viele Elemente zu erzeugen, die in ihrer Form an Schneekristalle erinnern. Umso mehr filigrane Verästelungen auf dem Bildträger entstanden, umso besser. Viele Versuche musste ich leider verwerfen, doch ein Versuch ist sehr gut gelungen und diente mir anschließend als Grundlage für mein weiteres Vorgehen. Ich zeichnete im nächsten Schritt mit verschieden Bleistiften und mit einem weißen Buntstift pflanzenartige Fantasieformen auf die grundierte Fläche. Auf diese Weise konnte ich die Zeichnung in die Malerei integrieren. Die Zeichnung war ein geeignetes Hilfsmittel, um bestimmte Elemente hervorzuheben und um Akzente zu setzen. Viele kleinteilige, an Pflanzen erinnernde Figuren entstanden und durch die bereits zuvor erzeugten Verästelungen konnte der Eindruck von Eisblumen erweckt werden. Mit Detailfreude zeichnete ich immer mehr Fantasiepflanzen hinein und kreierte einzelne Landschaften innerhalb dieser Landschaft. Durch das Herausfotografieren konnte ich die von mir ausgearbeiteten Mikrokosmen nochmal hervorheben und ersichtlich für andere Betrachter machen. Das Bild wirkt zum einen durch seinen Hell-Dunkel-Kontrast, zum anderen durch die einzigartigen organischen Formen sehr zauberhaft und mysteriös, wie ein „Winterzauberwald“, wonach ich das Werk schließlich benannt habe.